Aufbruch in eine andere Welt

Heute muss ich einfach mal ein paar Zeilen aus einem ganz traurigen Anlass schreiben. Von einer fröhlichen Osterreise zurück gekehrt, fand ich in meinem Briefkasten die Mitteilung, das mein alter Freund Karl gestorben sei.

Schon im Oktober letzten Jahres war Rolf gestorben.

Beiden sind 1950 geboren, waren also ein paar Jahre älter als ich. Von Ihnen habe ich viel gelernt. Es ist lange her, vielleicht der erste große Aufbruch in meinem Leben. Wir Oberschüler kämpften damals mit anderen jungen Menschen für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in unserer kleinen Stadt.

Gemeinsam wollten wir damals in den siebziger Jahren die Welt verändern. Nicht wie die 68er, einfach nur „spontan“ auf die Straße gehen, nein, wir wollten das schon besser, professioneller angehen. Wir studierten viel Literatur, und wir suchten die Auseinandersetzung mit dem „Klassenfeind“ in der politischen Praxis.

Viele Erinnerungen kommen hoch, man könnte vielleicht ein Buch darüber schreiben, über diese erste, wilde Zeit. Doch wer nur zurück schaut, wird niemals im Morgen ankommen.

Rolf und Karl sind trotz vieler, erheblicher Rückschläge, ihren Idealen von damals treu geblieben und waren beide bis zuletzt politisch aktiv. Sie werden uns allen fehlen.

Rolf ging damals auf die Werft. Schnell wurde er zum Betriebsrat gewählt. Das gefährliche Asbest wurde am Ende sein Schicksal. Und auch Karl kämpfte mit größten gesundheitlichen Problemen. Doch trotz 90% Erblindung und als Dialyse-Patient kämpfte er gegen eine mögliche Frühverrentung. Nein, er wollte im Leben bleiben, arbeiten, für sich und seine Freunde selber sorgen.  Zu seinem 60. Geburtstag hatte er uns alle noch einmal eingeladen.

Freunde von Karl schrieben in ihrer Traueranzeige:

Seine Neugier, seine Lust am Debattieren, seine  –  mitunter auch schwierige  –  aber wertvolle Streitbarkeit, seine politischen Analysen und auch seine Kochleidenschaft und Gastfreundschaft werden uns allen fehlen.

 

Ich hätte es nicht besser formulieren können.