Gottesdienst to go

Coronakrise. Alles fällt aus. Nein – nicht mehr. Immer mehr Geschäft dürfen öffnen. Schüler einzelner Klassen müssen zurück in die Schulen. Die Kirchen öffnen wieder. Doch alles unter großen Auflagen. Mundschutz tragen ist Pflicht. Abstand halten sowieso. Singen in der Kirche ist nicht erlaubt.

Unser Presbyterium (das ist der Kirchenvorstand) ist der Meinung, unter diesen Randbedingungen wollen wir (bis auf weiteres) keine Gottesdienste feiern. In unserer Kirche hätten dann nur noch 28 Menschen Platz. Das ist knapp oder weniger die Hälfte der Besucher an einem „ganz normalen Gottesdienst“ früher. Sollen wir jetzt Platzkarten verteilen? In anderen Gemeinden muss man sich am Donnerstag anmelden, wenn man Sonntag in die Kirche will. Ältere Menschen, Mitglieder von „Risikogruppen“ sollen zuhause bleiben.

Nein! So können und wollen wir keinen Gottesdienst in der Kirche feiern. Eine Kirche nur für die Gesunden und Starken und die „mühseligen und beladen“ müssen draußen bleiben? Nein! Und nochmals Nein!

Wir feiern trotzdem Gottesdienst! Für einen richtigen Gottesdienst braucht es kein Kirchengebäude. Zum Glück dürfen wir hier in Deutschland nach draußen. Wir müssen nicht in den Wohnungen bleiben. Wir dürfen spazieren gehen. Allein oder zu zweit, oder als Familie. Und kann man nicht seinen Sonntagsspaziergang mit einem Gottesdienst verbinden?

Ja, klar kann man das. Das ist genau unser Gottesdienstangebot für Sonntag, den 3. Mai: „Gottesdienst to go“

Über unsere Webseite und Mundpropaganda haben wir die Idee noch schnell bekannt machen können. Und so habe auch ich mich auf den Weg gemacht. Zuerst, wie jeden Sonntag, zur Kirche hingegangen.Die Tür ist geöffnet:

Unsere evangelische Kirche am Sonntag, den 3. Mai 2020

Dort soll der Gottedienst anfangen. Ich habe lange geschlafen, das war schön. Doch jetzt, um 11:30 Uhr, die erste Überraschung in der Kirche: Alle Hefte für unseren „Gottesdienst to go“ sind schon vergriffen. Es müssen sich schon viele vor mir auf den Weg gemacht haben. Erste Freude kommt auf. Und zum Glück habe ich mir das Heft vorher aus dem Internet heruntergeladen und zuhause ausgedruckt, und habe es dabei.

Unsere evangelische Kirche am Sonntag, den 3. Mai 2020

Doch eigentlich brauche ich das Heft ja gar nicht. Es reicht, dass ich mein Smartphone dabei habe. Ein QR-Code leitet mich.

Unsere evangelische Kirche am Sonntag, den 3. Mai 2020

Wir feiern „ganz klassisch“ die liturgische Eröffnung des Gottesdienstes „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen geistes. Amen!“

Und dann geht es weiter zur zweiten Station. Am Schäferbrunnen in unserer Fußgängerzone.

Am Schäferbrunnen

Hier An der zweiten Station finden wir den Psalm Nr. 66 und das Wochenlied. (EG 432). Online finden wir zwei verschiedene Fassungen des Liedes. Wie schön, wir hören uns gleich die „Pop-Version“ an, aber auch die Orgelversion ist hörenswert.

Station 2

Pfarrhaus in der Herrmannstraße

Danach geht es weiter zur dritten Station, zum Pfarrhaus in der Herrmannstraße..Hier gibt es einen großen Schaukasten. Dort ist auch Platz, das Evangelium und eine Predigttext dazu (nicht auf dem Foto)  für alle lesbar auszuhängen.

QR-Code und Predigt im Schaukasten

Und wir finden einen netten Cartoon, der gut aufzeigt, warum wir zur Zeit nicht in der Kirche Gottesdienst feiern wollen:

So möchten wir nicht Gottedienst feiern!

Nach der Predigt geht es nun weiter zur Station Vier. Unser Evangelischer Friedhof.

Evangelischer Friedhof

.Zu jedem Gottesdienst bei uns – selbst wenn der Sonntag so wie heute „Jubilate“ heißt – gehört ein Gedenken an die Toten. Hier können wir ein Gebet sprechen. Im Angesicht der Gräber erinnern wir uns an manche, die früher noch unter uns waren.

Ein QR-Code lädt ein zu einem Text für ein Gebet zum Totengedenken.

Und weiter geht es zur fünften Station, zur Jordan-Quelle. Ja, einen Fluß mit diesem biblischen Namen gibt es tatsächlich auch in unserer Stadt.

An der Jordanquelle in Bad Lippspringe

So viel Grün! So viel sprudelndes Quellwasser! Ein guter Platz für unsere Dank- und Fürbittengebete und ein „Vater unser“.

Station 5 – Vater Unser

Jetzt ist es auch nicht mehr weit zurück zur Kirche. Durch den Arminiuspark, vorbei an immer noch abgesperrten Kinderspielplätzen, erreichen wir wieder unsere Kirche.

Hier ist jetzt die sechste und letzte Station.

Station 6 – Ein Segen zum Abschluss.

Der Gottesdienst ist zu Ende.

Doch bitte vergessen Sie nicht die Kollekte am Ausgang. heute ist sie bestimmt für die Jugendarbeit in der evangelischen Kirche. Auch Online-Spenden geht ganz einfach: Hier klicken für ein gutes gewissen: http://kollekte-online.de

Ein schöner Spaziergang. Unterwegs haben wir ein paar Freunde getroffen, so waren wir die 3,5 Kilometer in ungefähr ein einhalb Stunden unterwegs. Gestärkt geht es jetzt nach Hause in die neue Woche hinein!

Gestärkt in die neue Woche 🙂

P.S.: Und inzwischen sind auch die Hefte für den Rundweg nachgedruckt worden und wieder in der Kirche ausgelegt.

Bitte wundern sie sich nicht, wenn vielleicht einige Links in diesem Bericht nicht funktionieren. Denn leider dürfen zum Beispiel Liedertexte zu Gottesdiensten aus rechtlichen Gründen nur bis zu drei Tage im Internet angeboten werden.