Facebook-Spendenaktion zum Geburtstag?

Jetzt wird man schon von Facebook regelmäßig jedes Jahr daran erinnert, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Und scheinheilig fragt dann Facebook, ob man nicht aus diesem Anlass eine Spendenaktion initiieren möchte. In diesem Jahr habe ich mir einmal die Bedingungen dafür etwas näher angeschaut. Oberflächlich gesehen scheint Facebook da ja ganz selbstlos zu handeln und will, das glaube ich ihnen auch, alle Spenden ohne Abzüge an gemeinnützige Organisationen weiterleiten. Okay, am Geld verschieben mag Facebook sich nicht bereichern, aber mit jeder Spende erfährt Facebook etwas über deine Kreditkarte, über die du verfügst und solches Wissen wird auch für andere Facebook-Kunden von Interesse sein. Und sei es nur, um Dich als potentiellen Spender anderen Organisationen bekannt zu machen. Außerdem bist Du bei Deiner guten Tat schon wieder etwas länger auf den Facebook-Seiten hängen geblieben, was Dich wieder für die Werbeeinnahmen von Facebook interessanter macht. Und auch nicht jede Spende geht ohne Gebühren ab. Dies gilt nur für bei Facebook registrierte gemeinnützige Organisationen. Okay, das sind sicherlich viele große Organisationen wie zum Beispiel Sea-Watch oder der WWF (die natürlich auch Spenden verdient haben), aber nur wenige kleine Organisationen.

Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, Spenden für die „Planetariumsgesellschaft OWL“ einzuwerben. Dieser gemeinnützige Verein hat mit viel Engagement bei uns in Bad Lippspringe einen wunderschönen, lehrreichen Planetenweg aufgebaut. Leider werden einzelne Stationen dieses Planetenweges immer wieder Opfer von Vandalismus. Zuletzt jetzt Anfang Juni wurde zum vierten Mal schon die Station zum Kleinplaneten Pluto zerstört. Solche öffentlichen Objekte werden von niemandem mehr versichert. Alle Reparaturen bleiben an dem kleinen Verein hängen und werden letzten Endes von den wenigen Vereinsmitgliedern getragen.

Da ein solcher kleiner Verein nicht bei Facebook registriert ist, wäre eine Spendenaktion dafür eine „private“ und dann nimmt Facebook eben doch 1,49 % plus 0,30 Cent Transaktionsgebühr. Das mag nicht so viel sein, aber von einer Spende von 100 Euro kommen am Ende dann doch nur 98,71 Euro an und von einer Spende von 5 Euro dann sogar nur 4,82 Euro. Das mögen zunächst nur kleine Differenzen sein, dürften sich auf der Facebook-Seite dann aber trotzdem zu ganz stattlichen Summen hochschrauben, je mehr solche Spendenaktionen es gibt.

Ach ja, und Deine Kreditkartenorganisation wird wahrscheinlich auch noch die Hand aufhalten und von Dir ebenfalls eine Transaktionsgebühr verlangen.

Du bekommst eine Spendenbescheinigung für Deine Steuererklärung? Denkst Du! Facebook wird dir bescheinigen, dass Du Geld weiter gereicht hast. Die deutschen Finanzämter erkennen aber nur Spendenbescheinigungen an, welche direkt von der empfangenden gemeinnützigen Organisation ausgestellt werden. Was Dir Facebook bescheinigt, nützt Dir eigentlich gar nichts. Dein Glück, wenn das Finanzamt auf die Einsendung von Belegen für die Steuererklärung verzichtet. Unter Umständen wird deine Emailadresse von Facebook an den Empfänger deiner Spende weitergeleitet, dann könnte die Organisation Dir vielleicht direkt eine Spendenbestätigung zuschicken.

Bei meiner Idee mit der Planetariumsgesellschaft wäre es sogar so, dass die Spenden überhaupt nicht direkt an die Organisation gehen, sondern Facebook diese Gelder nach Abzug der einbehaltenen Gebühren auf ein Konto von mir überweisen würde. Ja, das geht! Facebook-Spendenaktionen lassen sich durchaus auch für einen selbst oder einen „Freund“ einrichten. Solche Aktionen sollen, bevor sie online gehen dürfen, zwar auch von Facebook überprüft werden, ich weiß aber nicht, was dort wirklich und nach welchen Kriterien geprüft wird.

Okay, ich verspreche Euch natürlich, die Gelder alle ehrlich weiter zu leiten (äh, bekomme ich dann eigentlich die Steuerbescheinigung dafür?), aber das sagen bestimmt alle, die solche Aktionen einrichten.

Und es gibt noch ein weiteres, wie ich finde, wichtiges Argument gegen solche Facebook-Spendenaktionen. Solche Spenaufrufe sind öffentlich, wer spendet, wird dann schnell öffentlich auf Facebook positiv dargestell:t „deine Freunde Angelika, Bernhard, Christine haben … gespendet“. Darüber könnte ich mich ja vielleicht auch noch freuen. Doch wenn ich dann sehe, meine Aktion hat zwar 20 Likes von Lara, Lisa und Lolli bekommen, aber die haben dann da gar nicht gespendet … ? Und Xuli, Xaver und Xanthippe haben nicht mal ein „Like“ gegeben? Aber immerhin hat Susi drei Euro gespendet. Oder hat sie sich nur durch meinen Aufruf nur moralisch erpresst gefühlt? Pfui, Wolfgang, auf was für Gedanken kommst Du denn jetzt?

Und aus all diesen Gründen habe ich mich entschlossen, keine Geburtstagsspendenaktion bei Facebook einzurichten.

Wenn Du aber trotzdem der Planetariumsgesellschaft etwas spenden möchtest, hier ist deren Kontonummer:

Planetariumsgesellschaft Ostwestfalen-Lippe e. V.

Volksbank Paderborn
IBAN: DE68 472 601 21 911 7378 200
BIC: DGPBDE3M

Die Sonne, Startpunkt des Planetenwegs in Bad Lippspringe

Gute Argumente für die Corona-App

Bei YouTube bin ich auf dieses Video gstoßen. Es ist zwar lang, aber enthält eine ausführliche Beschreibung der Entwicklung und der Eigenschaften der „Corona-App“. Die App soll Mitte Juni kommen – es wäre meines Erachtens sehr gut, wenn Sie von möglichst vielen Menschen installiert wird. Viele Sorgen vor diesr App sind sehr unbegründet, wenn man sich genauer damit befasst. Der Vortragende erläutert zum Beispiel genau den Unterschied zwischen einer „Tracking-App“, die jeden unserer Schritte mitverfolgt und was die „Corona-App“ eben gerade nicht ist, und einer „Tracing-App“ die bestimmte Kontakte registriert und so helfen kann, „Infektionsketten“ zu verfolgen.

Bleibt gesund!

Das neue BetrVG

Sie stolpern über die Abkürzung in der Überschrift?

Dann sind Sie wahrscheinlich kein Betriebsrat. BetrVG ist die übliche Abkürzung für „Betriebsverfassungsgesetz“. Dieses Gesetz regelt im wesentlichen die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitungen und Betriebsräten in den Betrieben in der Bundesrepublik Deutschland. Und Betriebsräte und Juristen kennen diese Abkürzung natürlich ganz genau. Es steht aber auch viel drin, was nicht nur für Betriebsräte wichtig ist, sondern jede und jeder, der irgendwann mal in einem Betrieb arbeitet oder gar einen leitet, sollte sich mit diesem Gesetz auskennen. Und deshalb dürfen Sie diesen Beitrag auch gerne weiter lesen.

Durch die „Corona-Krise“ ist auch das Betriebsverfassungsgesetz geändert worden. Im Moment zwar nur befristet bis zum Ende des Jahres, doch wichtig sind diese Änderungen durchaus. Und wer weiß heute schon, wie morgen die Krise weitergeht?

Mit diesem Artikel möchte ich aber nicht nur auf diese Änderungen im Gesetz hinweisen. Die kann jeder bei Bedarf auch schnell über das Internet recherchieren und finden. Nein, ich möchte heute auf die Neuauflage  des Bsiskommentar zum Betriebsverfassungsgesetz hinweisen, die jetzt am 15. Mai erschienen ist.  Dieses rote Buch ist quasi die Bibel für alle Betriebsräte. Es wurde sogar gerichtlich festgestellt, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, die Kosten dieses Buches (ja wirklich, genau dieses Buch!) zu übernehmen und es jedem Betriebsrat und jeder Betriebrätin in seinem Betrieb zur Verfügung zu stellen. Und das gilt natürlich für jeder neue, aktuelle Auflage. Das Buch kostet jetzt 42 Euro. Neue Auflagen erscheinen alle paar Jahre mal, es wird also kein Unternehmen in den Ruin stürzen.  (Hier die genauen Daten: Klebe/Ratayczak/Heilmann/Spoo „Betriebsverfassungsgesetz“ – Basiskommentar mit Wahlordnung – 21. Auflage, BUND-Verlag, ISBN 978-3-7663-6955-0)

Die neue Auflage erklärt („kommentiert“) die verschiedenen Paragraphen des Betriebsverfassungsgesetzes. Die Kommentare sind dabei den Autoren natürlich nicht durch phantasievolles Nachdenken entsprungen, sondern sie beruhen natürlich auf hunderten von Gerichtsurteilen, die jedes Jahr in Deutschland zu diesem Gesetz „im Namen des Volkes“ ausgesprochen werden. Alle vier Herausgeber sind ehrenamtliche Richterinnen oder Richter am Bundesarbeitsgericht. In der Neuauflage sind solche Gerichtsurteile bis einschließlich Januar 2020 berücksichtigt worden. Doch das Buch bleibt hier nicht stehen, die aktuellen Änderungen des Gesetzes wegen der Corona-Pandemie wurden in einer kleinen Beilage ebenfalls noch berücksichtigt.

Gerade deshalb sollten sich also alle Betriebsräte so schnell wie möglich die neueste Auflage besorgen, wenn das nicht schon automatisch durch den Arbeitgeber erfolgt ist. In meinen Weiterbildungsseminaren, die ich über die IG Metall zu diesem Gesetz durchführe, werde ich natürlich auch nur mit dieser neuesten Auflage arbeiten.

Und eine Bitte: Natürlich ist bei uns jeder frei, seine Bücher dort zu bestellen, wo er will. Ich bitte Sie jedoch: Kaufen Sie dieses Buch bei ihrer lokalen Buchhandlung vor Ort (oder bitten Sie ihren Chef, er möge die Bücher für ihren Betriebsrat dort bestellen).

Möchten Sie noch eine kleine Anekdote lesen? An einer Stelle des Textes in diesem Buch habe ich indirekt mitgeschrieben. In den Erklärungen zum §40 BetrVG finden Sie unter der Randnummer 28 auf der Seite 322 den Satz „Entsprechendes gilt für die Zurverfügungstellung einer eigenen Homepage des BR im Intranet des AG“ Dazu noch Verweis 244 auf ein Urteil des Arbeitsgerichts Paderborn von 1998. Ende der neunziger Jahre war das Word Wide Web (WWW) entstanden und ich hatte Ende 1996 auch für die Siemens Nixdorf Computer AG eine Homepage eingerichtet. Das hatte das Unternehmen (nach anfänglichem Zögern) durchaus erfreut. Gleichzeitig war ich damals aktiv im Betriebsrat des Unternehmens in Paderborn. Im firmeninternen Intranet wollte ich auch eine Homepage für den Betriebsrat einrichten. Da ich das nicht durfte, habe ich die Homepage im Internet eingerichtet, sie war dort natürlich für jedermann zugänglich. Das hat das Unternehmen nicht erfreut und so kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung vor Gericht. Das Gericht entschied salomonisch: ich musste die Präsenz im Internet löschen und aufgeben, aber im Intranet musste das Unternehmen uns diese eigene Webseite zur Verfügung stellen. Das Urteil wurde von keiner Seite angefochten, so ging es auch nicht in höhere Instanzen und es wurde rechtskräftig. Und seitdem ist klar, dass der Absatz 2 des §40 des BetrVG „Für die Sitzungen, die Sprechstungen und die laufende Geschäftsführung hat der Arbeitgeber in erforderlichem Umfang Räume, sachliche Mittel, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Büropersonal zur Verfügung zu stellen“ eben nicht nur bedeutet, der Betriebsrat darf Schwarze Bretter benutzen, sondern eben auch bedeutet, er darf im Intranet des Unternehmens vertreten sein. Wir bekamen damals nach diesem Urteil vielen Dank von anderen Betriebsräten, dass wir so mutig waren, für diese Sache auch vor Gericht zu streiten.

Endlich mal durchatmen!

Es sieht so aus, als ob die gegenwärtige Corona-Pandemie auch ihre guten Seiten hat. Zumindest für uns hier in Deutschland. Hier gibt es zum Glcük keine so strikten Ausgangsbeschränkungen wie i manchen anderen Ländern. Es wird – sicherlich zurecht – empfohlen zuhause zu bleiben. Aber maximal zu zweit dürfen wir doch auch nach draußen. Nicht nur im die notwendigen besorgungen zu erledigen, nein, wir dürfen auch rausgehen um spazieren zu gehen, zu joggen, Fahrrad zu fahren – einfach um die „frische Luft“ zu genießen. Und damit sind wir schon beim Thema dieses Blogbeitrags.

Frische Luft – haben wir da einfach nur Glück mit dem Wetter, oder ist die Luft tatsächlich messbar besser geworden?

Wer an sonst viel befahrenen Straßen wohnt, wird sicherlich sofort sagen: „Der Verkehr ist deutlich weniger geworden, da muss die Luft doch besesr sein.“

Und in der Tat, das schöne Wetter hat viele Menschen motiviert, auf das Fahrrad umzusteigen. Fahrradhändler, soweit sie geöffnet haben, können sich vor Aufträgen kaum retten. Alte schinken werden repariert, neue Modell sind teilweise ausverkauft und haben Wartezeiten länger als viele Automodelle.

Wie können wir aber wirklich unterscheiden, ob wir einfach nur Glück mit dem Wetter haben, oder ob die Umweltbelastung tatsächlich zurück gegangen ist?

Eine aktuelle Untersuchung der DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) zeigt nun deutlich, dass „trotz des Wettereinflusses, ein Coronoa-Effekt auf die Luftqualität eindeutig“ nachweisbar ist. Dies gelingt durch die Kombinantion von Langzeitmessungen an Wetterstationen und Satellitenbeobachtungen. Wieder einmal zeigt sich hier der Nutzen der Weltraumfahrt. Seit vielen Jahren liefert der europäische Satellit MetOP-A täglich Messungen der globalen Schadstoffverteilung.

Vergleich der NO2-Belastung in Europa zwischen März/April 2019 und 2020
Credit: DLR (CC-BY 3.0)

 

Kein Wunder, dass dieser Effekt auf unsere Luftqualität von den meisten menschen in Deutschland als eine der positiven Auswirkungen der Corona-Pandemie gesehen wird. Die Sehnsucht nach einer die Gesundheit erhaltenden Umwelt ist groß. Hoffentlich gelingt es, diese Sehnsucht auch in reale politische Maßnahme zu wandeln, wenn nach der Krise „unsere“ (?) Wirtschaft wieder angekurbelt werden soll.