Gedanken am Tag nach der Wahl

Im Herbst wird deutschland bunt - nicht braun!

Im Herbst wird Deutschland bunt – nicht braun!

Die Überschriften der Zeitungen sind reißerisch, viele Freunde veröffentlichen bei Facebook entsetzte Postings über das Ergebnis der Bundestagswahl. Doch – mal Hand aufs Herz – war dies Ergebnis nicht zu erwarten?

Dass die AFD mit viel zu vielen Stimmen in den Bundestag einziehen wird, war doch schon seit längerem deutlich. Und auch die Rückkehr der FDP in den Bundestag war von den Demoskopen ebenso lange vorhergesagt worden. und wenn gleich zwei Parteien viele Stimmen gewinnen können, dann muss es auf der anderen Seite auch deutliche verluste bei anderen Parteien geben.

Aber so eine Wahl ist ja nicht nur Mathematik. Es ist schon auch eine Verschiebung der politischen Ausrichtungen, in diesem Fall ein klarer „Rechtsruck“. Aber ist es wirklich ein Wechsel in den Köpfen der Wähler? Harald Lesch klärt in einem YouTube-Video sehr gut auf, das es gar nicht so einfach ist, eine politische Meinung zu ändern, die ja meist auch einer inneren Haltung entspricht.

„Ein „Führer“, der Deutschland mit starker Hand regiert, wäre durchaus „zum Wohle aller“ – glauben 15,4 Prozent der Deutschen. Ausländer kämen nur hierher, um den Sozialstaat auszunutzen – für 36,9 Prozent eine zustimmungsfähige Aussage. Und überhaupt: Deutschland sei „in einem gefährlichen Maß überfremdet“ – finden 39,1 Prozent.“ Dieses Zitat stammt aus einem Spiegel Online Artikel von vor fast zehn Jahren. Und wer googeln kann findet schnell viele weitere ähnliche Artikel und Studien, Rechtsextremismus ist seit vielen Jahrzehnten in Deutschland immer wieder ein Problem.

Heute ist er nur einmal mehr offensichtlich geworden. In den kommenden Jahren werden diese Ideologen auch den Bundestag und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit als eine willkommene Bühne für ihre Weltanschauungen nutzen.

Und trotzdem glaube ich fest, eine andere Welt ist möglich! Schon in den ersten Wahlanalysen im Fernsehen bei ARD oder ZDF wurde deutlich, dass die AFD von vielen nicht gewählt worden ist, weil die Menschen ihr Programm teilen, sondern weil sie eher gegen alle andere Parteien waren, von denen sie sich enttäuscht und verlassen fühlen. Diese Menschen haben (zum Beispiel nach der Wiedervereinigung Deutschlands) Hoffnungen gehabt, die sie endgültig abgeschrieben haben. Sie haben Ängste noch tiefer zu fallen, als sie es jetzt schon sind.

Ich meine, dass es kein Zufall ist, dass die AFD besonders dort stark ist, wo Menschen nur noch wenig religiöse Bindungen haben. In den östlichen Bundesländern sind nur noch wenige Menschen Mitglied einer Kirche. Und auch die gewerkschaftliche Bindung ist dort längst nicht so hoch wie im Westen. Stattdessen scheint sich dort ein Menschenbild durchzusetzen, dass nur die Stärksten überleben können. Wenn sich Angst in Hass wandelt, dann kann am Ende nur der überleben, der sich mit Gewalt gegen andere durchsetzen kann.

Doch diesem Menschenbild können wir etwas entgegen setzen. Resignation muss nicht sein, gerade in der schwärzesten Nacht ist es gut, wenn man vom Licht träumen kann. Wer Angst hat, muss nicht anfangen zu hassen. Hass gegen das Dunkle findet von sich aus noch keinen Lichtschalter. Wir müssen den Menschen Hoffnungen und Träume für andere, bessere Zeiten zurück geben. Und wo ein oder zwei anfangen zu träumen, können sie vielleicht auch zusammen finden. Solidarität kann man lernen. Wir können gegen den übersteigerten Individualismus des Einzelnen die wunderschöne Geborgenheit in der Solidarität der vielen setzen. Kirchen und Gewerkschaften können hier durchaus mehr als nur Zeichen setzen. Wichtig ist nur, das man sich tatsächlich auf den Weg zu den Menschen macht und sich nicht schmollend in sein eigenes Schneckenhaus zurück zieht.

Es gibt viel zu tun…

Mancher hat mich schon gefragt, ob es diesen Blog noch gibt. Ja klar, ich habe ihn ja nicht vom Netz genommen. Doch ehrlich, oft fehlt mir einfach die Zeit zum Schreiben.

Heute Abend bin ich in Hamburg, morgen unterstütze ich hier wieder ein Seminar von Arbeit und Leben zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Abends im Hotel, da habe ich dann doch endlich mal wieder etwas Zeit zum Nachdenken, zum Schreiben.

Auch wenn die Anlässe eigentlich traurig sind, aber ich denke, das neue Jahr hat gut angefangen. Meine Kollegen von Fujitsu in Paderborn (dort habe ich bis vor sechs Jahren, als es noch Siemens Fujitsu hieß, selbst gearbeitet und als Betriebsrat gewirkt) wehren sich gegen die Schließung ihres Betriebes. Auf den Webseiten der IG Metall Paderborn berichte ich darüber regelmäßig.

Es ist gut, dass die Kolleginnen und Kollegen sich jeden Montag und bei anderen Aktionen auf machen, um ihren Protest auszudrücken. Die Erfolgsaussichten sind gering, doch wer sich gar nicht wehrt, der kann auch nichts gewinnen. Letzte Woche gab es eine große Demonstration in die Innenstadt. Für viele war es sicherlich die erste „richtige“ Demo. Ich denke, da ist so mancher neuer Denkprozess gestartet worden. Und vielleicht sieht der eine oder andere Kollege jetzt auch die Notwendigkeit von Gewerkschaften und Solidarität anders als noch früher.

So wie die Kollegen des größten Paderborner Metallbetriebes, Benteler, es schon lange wissen. Ihr Organisationsgrad ist deutlich größer, da kann der „Arbeitgeber“, der Eigentümer, der Kapitalist, nicht ganz so rücksichtslos schalten und walten. Bei Benteler sollten, so die Ankündigung der Chefetage im letzten Jahr, 1600 Arbeitsplätze gestrichen werden und drei Werke in Deutschland geschlossen werden. Doch die Kollegen dort machten schnell klar, dass sie nicht alles mit sich machen lassen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft haben sie erreicht, dass alle Werke erhalten bleiben, dass es Investitionen gibt in Zukunftsprojekte und das auf betriebsbedingte Kündigungen in den kommenden Jahren verzichtet wird.

Auch hier durfte ich einige Aktionen begleiten, meine Bilder der letzten Sitzung der Tarifkommission erscheinen nächste Woche in einem Flugblatt zu den Ergebnissen dort. Was mich dort sehr beeindruckt hat, wie solidarisch man sich auf der Kollegenseite am Ende „zusammengerauft“ hat. Denn die Unterschiede zwischen den Standorten sind doch erheblich. Und wie schnell lassen sich von der Chefetage normalerweise die verschiedenen Standorte gegeneinander ausspielen. Ein Beispiel, was Mut für die Zukunft macht!

Und das sind nicht meine einzigen Aktivitäten. Ich bin ja nicht nur für die Gewerkschaft aktiv. Doch was ich für die Kirche, für mein Hobby oder sonstwo machen, das findet man – mehr oder weniger – in anderen Blogs, auf anderen Webseiten….

P.S.: … und heute freue ich mich besonders über die Europameister im Handball, die Weltmeister im Rodeln, die Grand-Slam-Siegerin in Australien, und das „mein“ Verein Holzbein Kiel, endlich mal wieder klar gewonnen hat….